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  Der Blitzenbenz
   

 

228,1 km/h – schneller ist ein Landfahrzeug noch nie zuvor gefahren. Weltrekordfahrzeug ist ein Benz 200 PS „Blitzen-Benz“, den Bob Burman am 23. April 1911 am Strand von Daytona Beach, Florida/USA, über einen Kilometer mit fliegendem Start steuert; auf der fliegenden Meile erzielt er eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 225,65 km/h. Bis 1919 bleiben diese Rekorde ungeschlagen. Damit ist der Benz doppelt so schnell wie ein Flugzeug der damaligen Zeit, und auch der Schienenfahrzeug-Rekord (1903: 210 km/h) ist übertroffen.
Der Blitzen-Benz entsteht bei Benz & Cie. 1909 bewusst als Sportwagen, um die damals magische Marke von 200 km/h zu überschreiten. Basis ist der Motor des Grand-Prix-Fahrzeugs mit 150 PS, doch diese Leistung reicht für das ehrgeizige Vorhaben nicht aus. Der Hubraum wird auf 21,5 Liter vergrößert – mehr wird kein Renn- oder Rekordwagen von Benz & Cie., der Daimler-Motoren-Gesellschaft oder der Daimler-Benz AG mehr haben. In der ersten Ausführung leistet der Motor 184 PS bei 1500/min, was durch sorgfältige Feinarbeit schließlich auf 200 PS bei 1600/min gesteigert wird. Das Auto wird um diesen Motor herum gebaut, Basis ist das Chassis des Grand-Prix-Wagens. Der bei Benz üblichen Namenslogik folgend erhält das Fahrzeug den Namen Benz 200 PS.



Schon bei seinem ersten Einsatz zeigt das Auto, was in ihm steckt: Beim Kilometerrennen in Frankfurt/Main siegt Fritz Erle mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 159,3 km/h mit fliegendem Start. Der Benz 200 PS besucht die Rekordstrecken der alten Welt, beispielsweise das Betonoval in Brooklands/England. Dabei verschiebt er alle bis dahin bekannten Grenzen – und zeigt schon bald, dass die Strecken in Europa zu kurz und zu eng sind für die angepeilten Geschwindigkeiten.


1910 wird der neu karossierte Wagen nach Amerika verschifft. Der Veranstaltungsmanager Ernie Moross kauft ihn und nennt ihn werbewirksam „Lightning Benz“, weil das Auto so schnell wie der Blitz (englisch: lightning) ist. Bald bricht Barney Oldfield in Daytona Beach den bestehenden Weltrekord mit einer Geschwindigkeit von 211,97 km/h. Moross ändert den Namen: Der „Blitzen-Benz“ wird zu einer Attraktion, die – ähnlich einem Wanderzirkus – durch die USA tourt. Mit diesem Fahrzeug wird Bob Burman im April 1911 auch die neue Weltrekordmarke setzen.


Insgesamt hat es sechs Blitzen-Benz gegeben. Heute existieren noch zwei: Mercedes-Benz besitzt den einen, der andere ist in Händen eines Sammlers in den USA. Dort hat im Jahr 2004 ein anderer Enthusiast der Marke als Privatprojekt einen Nachbau fertig gestellt, der mehrere Originalteile hat und in enger Zusammenarbeit mit Mercedes-Benz Classic entstand. Als authentisches Orientierungsobjekt diente ihm der Museums-Blitzen, der gleichzeitig fachgerecht restauriert und fahrbereit gemacht wurde. Heute ist er im neuen Mercedes-Benz Museum ein besonderes Stück des Ausstellungsbereichs „Silberpfeile – Rennen und Rekorde“.


©Text & Bilder: Daimler-Chrysler
 

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